Warum mich dieses Land fasziniert.
Arizona – Wo die Erde Geschichten erzählt.
Im Südwesten der USA liegen Landschaften, die seit Jahrtausenden Menschen in ihren Bann ziehen. Der gewaltige Grand Canyon, geformt durch die unermüdliche Kraft des Colorado River, und die leuchtend roten Felsen von Sedona erzählen von einer Erde, deren Geschichte weit über das menschliche Leben hinausreicht. Für viele Menschen sind diese Orte nicht nur Naturwunder, sondern auch Plätze der Stille, der inneren Einkehr und der spirituellen Verbundenheit.
Lange bevor europäische Siedler diese Region erreichten, lebten hier indigene Völker, deren Geschichte und Kultur bis heute mit diesem Land verbunden sind.

Grand Canyon

Red Rocks, Sedona, Arizona

Heimat oder Zufluchtsort?

Foto der Yavapai um das Jahr 1875
Die Yavapai
Sie sind seit Jahrhunderten in Zentral-Arizona verwurzelt und sind die Nachkommen der Hopi, die um das 15te Jahrhundert Richtung Norden wanderten. Die Yavapai lebten unter anderem im Verde Valley und in den Gebieten rund um die heutigen Red Rocks. Ihre Lebensweise war eng mit den natürlichen Gegebenheiten verbunden. Vertreibung, Konflikte und die Errichtung von Reservaten veränderten ihr Leben grundlegend. Dennoch bewahren die Yavapai ihre kulturellen Traditionen und ihre Verbindung zu ihrem angestammten Land bis heute.
Die Hopi – Hüter einer alten Überlieferung.
Weiter im Norden Arizonas, auf dem Colorado-Plateau, leben die Hopi. Ihre Dörfer liegen auf drei markanten Hochplateaus, den First, Second und Third Mesas. Diese Siedlungen gehören zu den ältesten kontinuierlich bewohnten Orten Nordamerikas. Viele Hopi pflegen ihre Traditionen bis heute und schützen bestimmte Bereiche ihres kulturellen und spirituellen Lebens bewusst vor der Öffentlichkeit.
Das Hopi-Reservat ist vollständig vom größeren Navajo-Reservat umgeben. Diese besondere geografische Situation ist das Ergebnis einer komplexen Geschichte von Landrechten, politischen Entscheidungen und Auseinandersetzungen. Die Hopi leben weiterhin auf ihren Mesas und bewahren dort ihre Sprache, Zeremonien und überlieferten Vorstellungen von der Beziehung zwischen Mensch, Natur und Kosmos.

Die fünf Welten – Eine Überlieferung über den Wandel der Menschheit.
In den Hopi-Traditionen finden sich Erzählungen über aufeinanderfolgende Welten, den Ursprung der Menschheit und die Verantwortung des Menschen gegenüber der Schöpfung. Ihren Glauben an die Einheit von Erde und Universum haben sie in zahlreichen Felsmalereien deutlich gemacht.
Häufig wird von vergangenen Welten gesprochen, die durch Fehlverhalten, Disharmonie oder den Verlust des Gleichgewichts endeten. Die Menschheit gelangte der Überlieferung zufolge in eine neue Welt, in der sie erneut vor einer entscheidenden Aufgabe steht.
Visionäre Darstellungen verbinden ihren Glauben mit den Schrecken des 20. Jahrhunderts, insbesondere mit den beiden Weltkriegen, dem Bau von Eisenbahnlinien und Straßen sowie der rasanten technischen Entwicklung.
In manchen Erzählungen und modernen Deutungen erscheint zudem der sogenannte Blue Star Kachina als Zeichen eines tiefgreifenden Wandels. Sie hatten großes Wissen über die Himmelskörper. Der Blue Star Kachina soll aus den Sternen zurückkehren, als Zeichen, dass die fünfte Welt beginnt. Die damit verbundene Vorstellung einer fünften Welt wird als Hoffnung auf Erneuerung, Reinigung und eine Rückkehr zu einem Leben im Gleichgewicht verstanden. Ähnlich wie bei anderen Kulturen oder Religionen, glauben sie an Erlösung und das Erwachen der Menscheit, nicht an eine Vernichtung.
Was bedeutet Erlösung in diesem Zusammenhang? Nicht das Ende der Welt, sondern das Ende einer Lebensweise, die den Menschen von seiner eigenen Natur, von seinen Mitmenschen und von der Erde entfremdet hat.
Die Hopi-Überlieferungen laden dazu ein, über die Folgen menschlichen Handelns nachzudenken. Sie erinnern uns daran, dass Fortschritt allein keine Weisheit bedeutet und dass das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur keine Selbstverständlichkeit ist.
Vielleicht liegt gerade darin die Botschaft, die uns diese Landschaften vermitteln können: Wir sind nicht getrennt von der Natur. Wir sind Teil von ihr. Und die Zukunft hängt auch davon ab, ob wir uns wieder daran erinnern.
Hopi-Dorf aktuell


